08 March, 2005

Eurotunnel – nur keine Angst haben! Teil 2

Kann man überhaupt einen Preisvergleich anstellen? Wie buche ich am besten? Was ich so alles beachten und falsch machen kann.
Wie heißt es so schön in der Werbung: lass dich nicht verarschen! Aber genau dies ist es doch, was viele Unternehmen mit allen Mitteln versuchen zu tun. Höfflich formuliert wird soviel Nebel in den Tarifdickicht gesprüht wie nur möglich. Und das fällt umso leichter, je internationaler die Nachfrage ist, denn ob Deutsche, Belgier, Franzosen, Spanier oder Briten, alle wollen Tunnel fahren. Der Euro macht einen Preisvergleich etwas leichter, aber das war es auch schon.

Zwei Vergleiche drängen sich auf. Erstens der Vergleich des Preises des Tunnels mit denen der Fähren. Dies ist recht schnell erledigt, den der Tunnel ist fast immer teurer. Der kleine, manchmal Grosse, Unterschied jedoch ist: Beim Tunnel zahlt man für den Wagen, egal ob man alleine oder zu sieben Mann im Touareg gequetscht sitzt, bei der Faehre zahlt man in Abhängigkeit der Anzahl der Passagiere. Aber bei einer durchschnittlichen Beladung bleibt der Tunnel leider teurer.

Die Tunneltarife selber sind ein Studium wert. Ein gutes Reisebüro, das ja auch seine Provisionen verlangt, kann einem da vielleicht helfen, aber ein Eigenstudium am Internet macht fast schon Spaß: www.eurotunnel.com und schon bist du drin. Zu Beginn wird man gefragt in welchem Land man wohnt. Hier kann es sich gelegentlich lohnen ein bisschen zu funkeln, denn so gibt es z.B. das billige „Mittags hin Abends zurück“ Ticket nur, wenn man in England wohnt, spielt einfach mal rum damit. Auch kann man bei der Waehrung sparen, den der Preis GBP und EURO kann variieren.

Für viele Reisende ist die Dauer des Urlaubs schwer zu beeinflussen, aber generell gilt: je länger man bleibt, umso teurer wird’s. Der billigsten Tarife geht von England aus, mittags nach Frankreich und vor Mitternacht zurück, das kriegt man gelegentlich im Angebot für sowenig wie 20 Euro. Alle Reisen mit über 5 Übernachtungen werden teuer, ebenso Reisen zu Zeiten wenn irgendwo in Europa ein Kind Schulferien hat. Da kommen dann leicht 205 oder 339 oder 503 Euro zusammen. Ich höre sie aufschreien! 200 bis 500 Euro, wieso ist die Preisspanne so groß? Die Erklärung ist ganz einfach: Eurotunnel betreibt zwar nur einen schaebiggen Zug, der nur 35 Minuten durch einen gebuddelten Tunnel fährt, benimmt sich aber wie eine internationale Airline die von Paris nach Tokio mit der Concorde fliegt. Also muss es Klassen geben, so was wie Economy und First Class, und dies obwohl die Autos alle bunt gemischt in einer einzigen Röhre stehen (siehe Teil 1).

Der billigste Tarif erlaubt einem sehr wenig, d.h. man muss Strafe zahlen wenn man nicht den genau gebuchten Zug nimmt, auch wenn 10 Minuten vorher ein fast leerer Zug losfährt. Auch kann man nicht den Fahrpreis zurückverlangen, weil der ADAC den Unfallwagen zurückbringt und man selber leicht verletzt vom ASB heimgeflogen wird. Eine Warnung hier: Briten fahren auf der anderen Straßenseite.

Der mittlere Tarif ist eine Art Business Class, man darf nach belieben umbuchen, sogar vor Ort, ohne Ankündigung. Wenn es Platz gibt, darf man mit. Flexibel heißt das. Ich buche meist das flexible Ticket, denn zum einen schafft man aus Deutschland kommend selten den genauen Termin. Man ist entweder 2 Stunden zu früh da oder 3 Minuten zu spät, und mit einer Strafgebühr ist schon fast die ganze Einsparung weg. Zum anderen fahre ich nicht gerne unter Termindruck, so nach dem Motto: ich habe noch 400 km vor mir, 3 Stunden Zeit, also Gas geben. Merke: in Belgien und Holland sind 120 km/h erlaubt, in Frankreich 130 km/h. Plus ihrer persönlichen Risikobereitschaft. Aber dem Stau um Brüssel oder Antwerpen können sie nicht entgehen, die Zeit die sie hier gelegentlich verlieren fährt auch kein Ferrari mehr raus, sollten sie einen haben und die Polizei ihr Freund ist.

Der teuerste Tarif nennt sich CLUB, und ist eine reine First Class Imitation. Man kriegt jedoch keinen zum Schlafbett umfunktionierbaren Sitz, man bleibt in seine Vectra sitzen, das einzige was man darf ist an allen Warteschlangen vorbeifahren, siehe (a)-(f) in Teil 1. Die einzigen die das CLUB Ticket einfach nicht würdigen sind die Pass- und Zollbeamte, denn für die muss nach Grundgesetz jeder Buerger gleich sein.

OK, ich höre sie schon im Kopf rechnen:... dann kauf ich mir 2 Return Tickets (mittags hin, abends zurück) zu je 20 Euro... ohh Geiz ist geil, genau... und lasse die jeweilige Rückfahrt verfallen.. und bin mit 40 Euro dabei. Dumm gelaufen, geht leider nicht, denn dieses billige Ticket gibt es nur von England aus, und man muss den ersten Abschnitt fahren damit der 2te gültig wird. Und der Preis für ein Einwegticket Frankreich England ist so teuer, das sich das ganze nicht rechnet. Hier haben etliche Nobelpreisträger der Mathematik, alle im dienst des Eurotunnels, schon aufgepasst. Was hingegen gehen kann ist billig mit der Fähre hin, und mit dem 20 Euro Ticket Tunnel zurück. Dann ist man zumindest einmal Tunnel gefahren und kann am Stammtisch mitreden.

Ein letztes Wort zum eigentlichen buchen: übers Internet geht es ganz einfach, alles was man als Beweis braucht ist die Buchungsnummer, die man dann beim einchecken ((a) in Teil 1), vorzeigt. Man sollte hier dann auch die Kreditkarte vorzeigen, mit der die Buchung gemacht wurde.

Und immer die gleiche letzte Frage von Freunden: wie komme ich überhaupt zum Eurotunnel? Von Düsseldorf und Umgebung aus via Venlo > Eindhoven > Antwerpen > Gent > Ostende > Calais, es sind ca. 550 km bis London. Von Frankfurt aus fährt man Köln > Aachen > Liege > Brüssel > Gent > Ostende > Calais und es sind ca. 750 km bis nach London.

Gute Fahrt. (Mar/05)

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