Mit Butler James zum Ziel
Die wahre Identität der ortskundigen BeifahrerIm Laufe der Jahre hatte ich die Ehre mit 3 unterschiedlichen Navigationsgeräten im Auto zu fahren. Das Wissen dieser Beifahrer hat mir oft geholfen, und nur selten musste ich ein Veto einlegen, weil sie/er mich in eine Einbahnstrasse führen wollte oder quer durch einen Fluss.

Hat der Navi eine Seele? Die Hersteller versuchen schon, ihm menschenähnliche Züge zu geben, indem sie die Sprachausgabe immer weiter verfeinern. Und tatsächlich war ich mit 3 ganz unterschiedlichen Charakteren unterwegs. Nie war es Ihnen zu früh, nie war die Fahrt zu lang, sie hatten keinen Durst und mussten nie Pipi. Dennoch waren die 2 Frauen und der heutige Mann sehr unterschiedlich.
Es fing alles in 1999 mit Yukiko an. Yukiko wohnte in einem japanischen Auto, in Tokio. Auf der einen Seite war sie recht einfach, denn sie sprach nur japanisch, hatte aber andere Fähigkeiten, die ich bei deutschen Models heute vermisse. Ihr monotones Singsang klang überaus höflich und zuvorkommend, angelehnt an Begruessungen im Kaufhaus in Ginza oder den ständigen Ansagen in der Tokioter U-Bahn. “Migi magate kudasai” (jetzt bitte rechts abbiegen) und andere sich wiederholende Anweisungen in Japanisch hatte man als Ausländer schnell gelernt richtig zu befolgen, den wiederholte Übungen machen den Meister,
Was mich aber an Yukiko besonders beeindruckte war ihr Wissen. Tokio ist eine komplexe Stadt, und das Straßensystem ist alles andere als logisch für Rundaugen. Es gibt nur wenige Straßennamen, alles ist geordnet in Hauserblöcken, also etwa so: Haus 13 in Block 7 in Region 1 in Ginza, das liest sich dann auf Papier „Ginza 1-7-13“. Schon bei der Eingabe kann man sich die Finger brechen, wenn man denn die vielen Knöpfe mit japanischen Kanji’s verstehen würde. Also lernte ich einige Knopfabläufe auswendig (Knopf rechts oben, dann 3ter Knopf links von unten, dann den dicken Runden…) um überhaupt eine Eingabe machen zu können. Aber es klappte (meistens), denn Yukiko kannte eines: das Telefonbuch. Man konnte eine Telefonnummer mit Vorwahl eingeben, und Yukiko zeigte einem, wo dieses Telefon stand. Toll, zwar nicht immer aktuell, aber extrem hilfreich. Als ich später in Deutschland Auto’s kaufte, war diese Hilfe leider in keinem der Modelle vorhanden. Ich weiß nicht warum, wäre aber nicht überrascht, wenn hier übereifrige Datenschützer mal wieder die Finger im Spiel haben. Ich könnte zwar verstehen, wenn dies nicht für private Nummern freigeschaltet würde, aber Firmen und Behörden, wieso nicht.
Mein zweiter Navi, nun in Deutschland, war auch gleich der langweiligste, ohne Farbdisplay, nur ein paar orangene Pfeile und einer Frauenstimme, die vorher bestimmt bei der telefonischen Zeitansage gearbeitet hat. In 300 Meter rechts fahren, piep. Ok, das piep fehlte, aber das ganze klang so neutral, das wir in 3 Jahren nicht auf den Gedanken gekommen waren, ihr einen eigenen deutschen Namen zu geben. Manchmal rutsche aus Gewohnheit Yukiko heraus, aber meistens musste sie einfach auf den Namen Navi hören. Einen Spaß konnte sie dennoch bereiten: wenn man von ihr verlangte auf English zu reden, hatte man was zu schmunzeln. Denn der Hersteller hatte hier wohl gespart, und die gleiche deutsche Zeitansagerin in English sprechen lassen. Ein toller Akzent, ihre Mühe mit der englischen Aussprache von “turn right” war schon suess.
Nun führt uns James, denn im dritten Wagen konnten wir eine angenehme Variation finden: die männliche Stimme auf English. Hier wurden wohl keine Kosten gescheut, und ein wahrhafter Butler engagiert. Bei jeder Kreuzung oder Abzweigung wird man an das alljaehrliche “Dinner for two” errinert, same procedure as every year. Ich hoffe wir werden noch lange Freude an James haben, denn er kommt in Farbe und mit viel Wissen, wie Hotels, Museen und Golfplätzen, um nur einiges zu nennen. Und dies ist gekoppelt mit einer cleveren Menuführung.
Aber etwas fehlt mir noch an Navi’s ganz allgemein, nämlich eine breitere Variationen der Sprachausgabe. Das Kleinkind das Mami und Pappi hilft, die Domina mit der Peitsche oder gar den Inder der Klingeltöne. Waere es nicht abwechslungsreich, wenn die Hersteller dieser virtuellen Begleiter einem auch mal die Möglichkeit bieten würden, etwas Spaß ins System zu bringen und nicht nur gut geführt, sondern auch unterhalten zu werden. Kindische Ausrufe wie: “Papi, jetzt aber liiinks“” oder wenn man denn mal ohne Minderjährige unterwegs ist das etwas strengere: “LINKS du dumme Sau”, optional gefolgt von einem akustischen Peitschenschlag,, oder “lechts, jetzt lechts” könnten die eine oder andere Fahrt unterhaltsam verkürzen. Nur fürchte ich, dass die Hersteller hier eher politisch korrekt sein wollen und Spaß keine Vorfahrt bekommt.

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