23 October, 2005

Die Vogelgrippe ist gelandet

Wie eine U-Bahn Bombe schlug die Nachricht hier ein, die Vogelgrippe ist in England angekommen

Gestern Abend saß ich noch vor dem Fernseher und lies mich von Claus Kleber in einem recht guten ZDF Spezial über Einzelheiten der Vogelgrippe belehren. Dramatische Szenarien wurden aufgezeichnet, um immer wieder mit dem Satz auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden: “Aber dies ist noch weit weg von uns“.

virus


Weit weg? Seit heute morgen gibt es hier in England kein anderes Themen mehr als „Die Vogelgrippe ist angekommen“. Ein importierter Papagei war infiziert und gestorben. Eine gewisse Erleichterung konnte durchgehört werden, denn dieser bunte Papagei war nicht in eigner Kraft eingeflogen, sondern im Frachtraum eines Jumbo-Jets als fragwürdiger Importartikel. Zwar mussten alle Vögel auf der Quarantänestation gleich mit dran glauben, aber zumindest war dieser erste Vorfall unter einer gewissen Kontrolle.

Als Hundebesitzer schimpfte ich oft auf die strengen Quarantänebestimmungen in England (siehe auch meinen Beitrag “Wenn Hunde reisen”), aber hier war dann doch mal ein positiver Beitrag dieser Tierquälerei zu verbuchen. Überraschend war dann auch eine weitere Information: dies ist der erste Fall von Vogelgrippe in England seit 13 Jahren.

13 Jahre? Die Menschheit hat es also vor 13 Jahren wirklich geschafft zu überleben? Das ist dann doch eher beruhigend, denn manche Berichterstattung erinnert mich doch stark an den beklemmenden Film „12 Monkeys” mit Bruce Willis.

H5N1 oder nicht, Thema No1 wird für einige Zeit die Vogelgrippe bleiben. Sie ist beunruhigender als einige Terroristen, die die U-Bahn in die Luft jagen, wohl auch weil man ihr keine Polizei-Streitkraft entgegen setzen kann, sondern weil sie geräuschlos einfliegt und zuschlägt.

England nimmt seine Seuchen sehr Ernst, erst vor wenigen Jahren war mal wieder die Maul und Klauen Seuche ausgebrochen, und tausende Tiere mussten notgeschlachtet werden um eine unkontrollierte Ausbreitung zu vermeiden. Sogar der von mir lieb gewonnne Richmond Park war für mehrere Wochen hermetisch abgeschottet worden, in der Hoffnung die Seuche von den dortigen Hirschen und Rehen fernzuhalten. Es ist geglückt.

Ich bin sicher, wir werden noch viele bewegende Bilder zu sehen bekommne, in denen Gefieder getötet wird und wohl auch werden muss, und ich fürchte um die im ZDF Spezial gezeigten postkartengepflegten Gänse- und Hühnerfarmen in Deutschland. Schwäne in Kroatien sind infiziert, und wenn man sich die jährlichen Vogelwanderwege anschaut, überlappen diese klar mit den Ursprungsorten neuester Nachrichten: Türkei, Rumänien, Kroatien, ... et kuett.

Es wird leider noch spannend, und sollte die Vogelseuche wirklich mutieren und sich so leicht wie eine gewöhnliche Erkältung in der Bevölkerung verbreiten, also wirklich das passieren was manche befürchten, ist Al-Qaida zu dem geworden was sie ist: eine recht unbedeutende Irritation.

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