20 May, 2005

Einbrecher im Haus!

Haben sie ich auch schon Gedanken darüber gemacht, wie sie ihr Eigentum am besten schützen?
Hier in England gab es in den letzten Monaten eine ungewoehnliche Show im Morgenfernsehen: Hauseinbrüche wurden gefilmt und kommentiert. Das Ganze verlief immer ungefaehr so ab: Haus oder Apartmenteigentümer erklärten sich bereit, in ihr Haus einbrechen zu lassen. Der professionelle Dieb hatte seine Jahre abgesessen und eingesehen, dass mehr Kohle beim Fernsehen zu machen ist als wirklich zu klauen. Der Fernsehsender übernahm gerne die Kosten für alle Schäden die der Einbrecher machte, denn sie durften überall Kameras anbringen, das ganze filmen, schön Zusammenschneiden und dann zur morgendlicher Prime-Time mit Werbung vermischt ausstrahlen.

Um alles schön unter Kontrolle zu halten, und auch Gefühle einzuspielen, verfolgten die Eigentümer den Einbruch live an Monitoren, und ihre Emotionen wurden dabei natürlich auch gleich gefilmt. Obwohl sie jederzeit sagen durften: „Jetzt ist Schluss!“, habe ich nie ein Paar erlebt, das auch wirklich STOP sagte. Alle “Opfer” verfolgten mit vielen Ahhs und Ohhs, kopfschüttelnd und zum Teil unter Tränen, das Geschehen solange, bis der Dieb fertig war und das Haus verlies. Er randalierte zwar nicht absichtlich, aber keine Schublade wurde nicht auf den Boden geleert, kein Schrank nicht umgekippt, kein Kühlschrank oder Tiefkühltruhe nicht bis auf den Boden durchsucht. Der Dieb war ein Profi, und ging professionell und diesmal sogar legal seiner Arbeit nach, und war nach 10-20 Minuten fertig mit dem Haus.

Nichts Wertvolles entging ihm, er erkannte auch sofort, was wertvoll und was Glasperlen waren. Manch beschenkte Ehefrau war dann auch überrascht nebenbei Einzelheiten über die Qualität ihres Schmuckes zu erfahren. Er fand fast jedes „Geheimversteck“, manche waren richtig originell, aber er kannte sie alle. Auch vergaß er nie, dass Autofahren viel schöner ist als zu fuß zu gehen. Meist kam er mit leeren Händen, füllte die Koffer die er fand randvoll mit Wertsachen und verlies den Ort des Geschehens in dem Wagen der Hausbesitzer, die den Schlüssel schön am Brett in der Küche hängen gelassen hatten.

Unterhaltend war die Überzeugung eines Ehepaares, ihre 2 Hunde würden sicherlich den Dieb abschrecken oder gar von seiner Arbeit abhalten. Zwar kläfften und knurrten sie angsteinfloessend und fletschten ihre Zähne, aber nachdem der Dieb zielstrebig zum Kühlschrank ging und ihnen die feinen Wurstvorräte übergab hatten die Tiere schnell einen neuen besten Freund. Einer von ihnen sprang sogar in den Wagen um mit dem Dieb zu neuen Abenteuern davonzufahren. Im wahren Leben wäre auch der Fifi jetzt wohl unter Wert verkauft worden und hätte ein neues Zuhause.

Die Sendungen haben mich irritiert, denn zuerst wusste ich nicht, ob dies nicht vielleicht eine unangemessen detaillierte Anleitung zum Haueinbruch war, oder aber eine Warnung an alle Eigentümer, Fenster und Türen gut zu verschließen und dicke Schlösser zu kaufen. Irritierend war aber dann eher die Erkenntnis, dass man sich eigentlich nicht schützen kann, denn wenn der Dieb rein will kommt er rein. Bei starkem Schutz und guten Schlössern macht er nur einfach etwas mehr kaputt. Er hielt sich nicht auf mit Bohren oder Dietrichs, er schlug einfach recht geräuschlos das ganze Fenster ein. Basta, bum und rein, egal ob im Erdgeschoss oder 2ten Stock, denn meist brach er erst mal den Gartenschuppen auf, um sich eine Leiter zu leihen oder Axt und Werkzeug zu besorgen.

Ich glaube inzwischen, guter Schutz des Hauses hält den betrunkenen Randalierer oder Drogensüchtigen ab, aber wenn jemand ausreichend kriminelle Energie mitbringt, kommt er rein. Und je weniger ich sichere, je weniger geht kaputt. Weg sind meine Sachen aber leider so oder so.

Also, was tun? Wie in Kanada die Türen nicht abschließen? Keine Wertsachen zuhause aufbewahren? Alles ein bisschen besser verstecken? Einen richtig guten Tresor einbauen? Ich kenne keine optimale Lösung, auch Banken werden ausgeraubt. Ich sehe das ganze Probelm nach diesen Sendungen etwas fatalistischer, und trage die Schlüssel zu meinem Wagen immer bei mir.

04 May, 2005

Wie Flugzeuge riechen

Ich konnte es nicht verhindern, morgens um 6:45 bestieg ich nach über 2 Jahren Abstinenz wieder ein Flugzeug, die LH4765 von London nach München.

flugzeugkabine

Sofort nach Betreten der Kabine begruesste er mich, der Geruch eines Flugzeuges. Eine Welle der Erinnerungen brach über mich ein. Ich habe keinerlei Angst zu fliegen, im Gegenteil, ich glaube es ist ein sicheres Transportmittel und ich genieße die majestätische Kraftentfaltung der Technik bei Starts und Landungen. Aber alles dazwischen ist im Laufe der Jahre zur Qual geworden, ich bin einfach zu oft geflogen. Ueber mehrere Jahre mindestens einmal im Monat zwischen Europa und Asien, wöchentlich mehrmals kurze Sprünge wie jetzt von London nach München. Die diversen Bonusprogramme wurden bis zur Grenze ausgeschoepft, plötzlich durfte man First-Class fliegen, ohne je dafür bezahlen zu müssen. Wie das am besten geht, ist seinen eigenen Bericht wert, später vielleicht.

Der Geruch des Flugzeuges erinnerte mich an die ertragenen Qualen, an die immergleiche Routine, an die Enge des Sitzes, egal wie breit und bequem er auch sein mag oder nur erscheint, egal ob mit Leder oder Stoff bezogen, nach 8 Stunden sitzen, essen, lesen und schlafen wird jeder Sessel zu deinem persönlichen Intimfeind den du nie mehr wiedersehen möchtest. Doch spätestens auf dem Rückflug ist er wieder da, zuerst einladend kühl, am Ende feucht verschwitzt, ausgelaugt wie sein Passagier.

Der Geruch eines Flugzeuges ist weltweit gleich, er variiert nur wenig zwischen den Airlines, Flugzeugtypen oder geflogenen Klassen und besteht aus 3 Kernkomponenten.

Die Grundton ist technischer Natur, ein bisschen Kerosin gepaart mit der dem Geruch mechanisch und elektrostatisch gereinigter und künstlich befeuchteter Luft. Subtil anwesend, nie richtig aufdringlich, es sei denn die Kabinentüren sind offen und der Nachbarflieger wird gerade betankt, dann kann das Kerosin schon mal aufdringlich sein.

Die 2te Komponente nenne ich gerne den Douglas-Faktor. Es ist eine Mischung aus Chanel und Dior, gepaart mit Old Spice und einem Schuss 4711, also ein bisschen von allem, was in jedem Duty-Free Shop feilgeboten wird. Vorne im Flieger etwas mehr Chanel, hinten dann deftig rustikal lieblich. Alle 2 Stunden wird der Douglas-Faktor von den Mitreisenden unaufgefordert aufgefrischt, und da die Geruchsnerven durch die geringe Luftfeuchtigkeit im Flugzeug bei 10 km Höhe Schaden nimmt, werden auch noch kurz das kleinste Kopfkissen der Welt sowie Teile des Sitzes unauffaellig miteingenebelt. Der Douglasfaktor verhindert erfolgreich, dass Schweiß, Mund- oder Fußgeruch irgendeine Chance haben sich ernsthaft festzusetzen. Und sollte der Sitznachbar Douglas nicht kennen, hilft man ihm gerne aus, dies dann auch gerne unauffaellig.

Zu diesem suesslichen und nicht unbedingt unangenehmen Teil der Gesamtduftnote kommt jedoch der säuerliche Bestandteil eines jeden Flugzeuggeruches hinzu: Kotze. Ob schwacher Fliegermagen oder zuviel Alkohol, es wird wie eh und je im Flugzeug gekotzt, übrigens nicht ganz unabhaengig von sozialem Rang oder Sitz. Leider wird meist versucht dies unauffaellig zu verrichten, was dazu führt das Man oder Frau die Tütenöffnung nicht richtig trifft oder erst gar nicht findet, oder der Scherzbold vom letzten Flug hat unter lautem Beifall seines Trinkkumpanen aus Reihe 46D ein Loch in den Boden die Tüte gerissen. Egal wie man es dreht und wendet, Kotze landet meist da wo sie nicht hin soll. Sie liebt es dann im Raufaserteppich zu versickern, von wo aus sie für mehrere Wochen ihren säuerlichen Beitrag zur Gesamtduftnote des Fliegers in einem konstanten Kampf um Dominanz mit dem Douglas-Faktor beiträgt.

In diesen Kampf mischen sich dann noch die 5-12 Porta Potti’s des Fliegers mit ein, die ja eigentlich lächerlich einfache Plumpsklos sind, die wie auf jeder Kirmes nur einmal am Abend entleert und gereinigt werden.

Das Gute am Flugzeuggeruch ist, dass man ihn 30 Minuten nach Abflug nicht mehr richtig wahrnimmt, nach 2 Stunden ist er voll verdrängt. Er meldet sich kurz wieder im Hotel, oder zuhause, wenn man seine Kleidung zur Reinigung gibt. Dann ist er erst Mal ganz weg. Während des Fluges hat er sich aber tief in unser Gedaechniss eingefressen, denn auch nach über 2 Jahren erkennt man seinen früheren Begleiter sofort wieder. Er erzählt einem dann sofort und ohne Aufforderung von der Langeweile des Fluges, von der Monotonie der Triebwerkgeräusche, von der immer gleichen Routine. Er erinnert uns an die Qualen des Jetlags, an die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Airlinesitze und dass nur Erfahrung einem lehrt keinen Fensterplatz zu buchen. Aber auch diese Erinnerungen sind jeder für sich andere Berichte.