17 March, 2005

Suzuki Jimny – unkaputtbar

Leben sie nicht in der Mitte der Stadt? Brauchen Sie ein günstiges 2tes Auto? Der Suzuki Jimny ist vielleicht die Antwort.
Der Suzuki Jimny ist der ideale Begleiter für den kleinen Ausflug, und ich schäme mich nicht zu sagen, für jeden großen oder kleinen Einkauf, denn nicht jeder hat einen Tante Emma Laden um die Ecke. Der Jimny verzeiht alles, denn eigentlich hat er nicht viel und es ist schwer ihm wehzutun. Und das ist das Tolle. Man hat keine Angst ihn schmutzig zu machen, oder am Gebüsch vorbeizukratzen, durch Schlaglöcher zu jagen oder die Buergersteigkante hochzufahren. Das Gaspedal des kleinen Motors kennt nur 2 Stellungen, voll und neutral, denn er dreht sich bei Vollbeschleunigungen nicht um die eigene Achse. Der dreckige Sack Zement findet hinten ebenso Platz wie der nasse Hund, die Einkaufstüten oder Müllsäcke voll Laub für die Deponie. Unkaputtbar, denn wenn wenig dran ist, geht wenig kaputt.

Jimny


Platz? Na ja, da muss man schon genau hinsehen oder erst gar nicht groß suchen, denn der Jimny ist klein, 100kg-plus Menschen wie ich würden sagen: klitzeklein. Aber das ist Programm. Meine rechte Koerperhaelfte ist fest gepresst an die Fahrertuer (wir haben in England den Lenker rechts), dennoch sitze ich hoch und bequem, solange es keine Fahrten über Stunden sind. Als erstes habe ich übrigens die hinteren Sitze rausgeworfen, Hund, Zementsack und Tüten danken. Passagieren will man diesen hinteren Ort ebenso wenig antun wie in einem Porsche. Ansonsten hinkt jeder Vergleich mit dem Sportwagen. Ich glaube ein Porsche kann schneller mit seinem Anlassermotor beschleunigen als der Jimny mit abgeschaltetem Overdrive, aber wir haben ihn ja nicht erstanden um schnell zu fahren, sondern um unbekuemmert von A nach B zu kommen. Egal was am Wochenende los ist, ich ertappe mich immer wieder dabei den Jimny zu nehmen anstelle des “ordentlichen Familienwagens”. Ein vollkommen stressfreies Auto.

Dabei macht er immer eine gute Figur, man schaut als Fahrer gelassen über die neben einem im Stau stehenden Sportwagen, bei denen sich der Fahrer wohl schon überlegt, wie er aus der Dose wieder rauskommt ohne sich zu verrenken. Ob vor dem Kino oder im Acker, der Jimny passt überall hin.

Der Jimny hat nichts ueberfluessiges, wenig kaputtgehende Elektronik, er hat ja wie schon gesagt sowieso nicht viel. Alles etwas blechig-plastik, aber man sollte besser sagen, man sieht was man kauft, und ein Blick unter die Motorhaube erinnert einen an seinen ersten Mini in den 70er Jahren. Alles klar zu erkennen, Anlasser, Vergaser, Lichtmaschine, und wenn was kaputt geht reicht meist ein Stück Stacheldraht um den Schaden zu beheben. Glaubt man zumindest.

Wenn man den Vierradantrieb zuschaltet, fährt und klingt der Jimny wie ein Traktor, den auch an mehreren elekto-magnetischen asynchron laufenden Hyperdrive-Differentialen wurde gespart. So erklärt einem die Gebrauchsanleitung klar, den Allradantrieb nur bei schlüpfrig-nass-matschiger Fahrbahn einzuschalten. Wann sonst braucht man Allrad.

Dieses “Back to Basics” hat seinen Preis, seinen schön geringen Preis, und soviel Spaß fürs Geld bietet kein anderer Wagen der Welt, egal wie billig oder teuer die Karosse ist.

Ich kann ihnen nur empfehlen, eine Probefahrt zu machen, sollten sie sich je nach einem zweiten Wagen umsehen. Wenn sie einmal im Monat bei OBI & Co vorbeischauen, einen Hund haben oder Pfützen nicht ausweichen wollen, der Jimny muss auf ihrer Liste stehen.

Aber seien sie gewarnt: wenn es nach Jahren dann mal darum geht, einen neuen Wagen zu erstehen, schleicht sich plötzlich die Überlegung ein, den Jimny doch einfach zu behalten, als 3ten Wagen, einfach nur so, fürs Grobe, Dreckige und den kleinen Spaß zwischendurch, so wie man ja auch eine Schubkarre hat. Es wird schwer sich von ihm zu trennen.

08 March, 2005

Eurotunnel – nur keine Angst haben! Teil 2

Kann man überhaupt einen Preisvergleich anstellen? Wie buche ich am besten? Was ich so alles beachten und falsch machen kann.
Wie heißt es so schön in der Werbung: lass dich nicht verarschen! Aber genau dies ist es doch, was viele Unternehmen mit allen Mitteln versuchen zu tun. Höfflich formuliert wird soviel Nebel in den Tarifdickicht gesprüht wie nur möglich. Und das fällt umso leichter, je internationaler die Nachfrage ist, denn ob Deutsche, Belgier, Franzosen, Spanier oder Briten, alle wollen Tunnel fahren. Der Euro macht einen Preisvergleich etwas leichter, aber das war es auch schon.

Zwei Vergleiche drängen sich auf. Erstens der Vergleich des Preises des Tunnels mit denen der Fähren. Dies ist recht schnell erledigt, den der Tunnel ist fast immer teurer. Der kleine, manchmal Grosse, Unterschied jedoch ist: Beim Tunnel zahlt man für den Wagen, egal ob man alleine oder zu sieben Mann im Touareg gequetscht sitzt, bei der Faehre zahlt man in Abhängigkeit der Anzahl der Passagiere. Aber bei einer durchschnittlichen Beladung bleibt der Tunnel leider teurer.

Die Tunneltarife selber sind ein Studium wert. Ein gutes Reisebüro, das ja auch seine Provisionen verlangt, kann einem da vielleicht helfen, aber ein Eigenstudium am Internet macht fast schon Spaß: www.eurotunnel.com und schon bist du drin. Zu Beginn wird man gefragt in welchem Land man wohnt. Hier kann es sich gelegentlich lohnen ein bisschen zu funkeln, denn so gibt es z.B. das billige „Mittags hin Abends zurück“ Ticket nur, wenn man in England wohnt, spielt einfach mal rum damit. Auch kann man bei der Waehrung sparen, den der Preis GBP und EURO kann variieren.

Für viele Reisende ist die Dauer des Urlaubs schwer zu beeinflussen, aber generell gilt: je länger man bleibt, umso teurer wird’s. Der billigsten Tarife geht von England aus, mittags nach Frankreich und vor Mitternacht zurück, das kriegt man gelegentlich im Angebot für sowenig wie 20 Euro. Alle Reisen mit über 5 Übernachtungen werden teuer, ebenso Reisen zu Zeiten wenn irgendwo in Europa ein Kind Schulferien hat. Da kommen dann leicht 205 oder 339 oder 503 Euro zusammen. Ich höre sie aufschreien! 200 bis 500 Euro, wieso ist die Preisspanne so groß? Die Erklärung ist ganz einfach: Eurotunnel betreibt zwar nur einen schaebiggen Zug, der nur 35 Minuten durch einen gebuddelten Tunnel fährt, benimmt sich aber wie eine internationale Airline die von Paris nach Tokio mit der Concorde fliegt. Also muss es Klassen geben, so was wie Economy und First Class, und dies obwohl die Autos alle bunt gemischt in einer einzigen Röhre stehen (siehe Teil 1).

Der billigste Tarif erlaubt einem sehr wenig, d.h. man muss Strafe zahlen wenn man nicht den genau gebuchten Zug nimmt, auch wenn 10 Minuten vorher ein fast leerer Zug losfährt. Auch kann man nicht den Fahrpreis zurückverlangen, weil der ADAC den Unfallwagen zurückbringt und man selber leicht verletzt vom ASB heimgeflogen wird. Eine Warnung hier: Briten fahren auf der anderen Straßenseite.

Der mittlere Tarif ist eine Art Business Class, man darf nach belieben umbuchen, sogar vor Ort, ohne Ankündigung. Wenn es Platz gibt, darf man mit. Flexibel heißt das. Ich buche meist das flexible Ticket, denn zum einen schafft man aus Deutschland kommend selten den genauen Termin. Man ist entweder 2 Stunden zu früh da oder 3 Minuten zu spät, und mit einer Strafgebühr ist schon fast die ganze Einsparung weg. Zum anderen fahre ich nicht gerne unter Termindruck, so nach dem Motto: ich habe noch 400 km vor mir, 3 Stunden Zeit, also Gas geben. Merke: in Belgien und Holland sind 120 km/h erlaubt, in Frankreich 130 km/h. Plus ihrer persönlichen Risikobereitschaft. Aber dem Stau um Brüssel oder Antwerpen können sie nicht entgehen, die Zeit die sie hier gelegentlich verlieren fährt auch kein Ferrari mehr raus, sollten sie einen haben und die Polizei ihr Freund ist.

Der teuerste Tarif nennt sich CLUB, und ist eine reine First Class Imitation. Man kriegt jedoch keinen zum Schlafbett umfunktionierbaren Sitz, man bleibt in seine Vectra sitzen, das einzige was man darf ist an allen Warteschlangen vorbeifahren, siehe (a)-(f) in Teil 1. Die einzigen die das CLUB Ticket einfach nicht würdigen sind die Pass- und Zollbeamte, denn für die muss nach Grundgesetz jeder Buerger gleich sein.

OK, ich höre sie schon im Kopf rechnen:... dann kauf ich mir 2 Return Tickets (mittags hin, abends zurück) zu je 20 Euro... ohh Geiz ist geil, genau... und lasse die jeweilige Rückfahrt verfallen.. und bin mit 40 Euro dabei. Dumm gelaufen, geht leider nicht, denn dieses billige Ticket gibt es nur von England aus, und man muss den ersten Abschnitt fahren damit der 2te gültig wird. Und der Preis für ein Einwegticket Frankreich England ist so teuer, das sich das ganze nicht rechnet. Hier haben etliche Nobelpreisträger der Mathematik, alle im dienst des Eurotunnels, schon aufgepasst. Was hingegen gehen kann ist billig mit der Fähre hin, und mit dem 20 Euro Ticket Tunnel zurück. Dann ist man zumindest einmal Tunnel gefahren und kann am Stammtisch mitreden.

Ein letztes Wort zum eigentlichen buchen: übers Internet geht es ganz einfach, alles was man als Beweis braucht ist die Buchungsnummer, die man dann beim einchecken ((a) in Teil 1), vorzeigt. Man sollte hier dann auch die Kreditkarte vorzeigen, mit der die Buchung gemacht wurde.

Und immer die gleiche letzte Frage von Freunden: wie komme ich überhaupt zum Eurotunnel? Von Düsseldorf und Umgebung aus via Venlo > Eindhoven > Antwerpen > Gent > Ostende > Calais, es sind ca. 550 km bis London. Von Frankfurt aus fährt man Köln > Aachen > Liege > Brüssel > Gent > Ostende > Calais und es sind ca. 750 km bis nach London.

Gute Fahrt. (Mar/05)

07 March, 2005

Eurotunnel - Teil 1

Mit dem Eurotunnel nach England, oder doch lieber mit der Fähre. Die Antwort fällt nicht immer leicht.

Ich habe den Eurotunnel bereits über 100 Mal benutzt, mit Auto und Motorrad, dies hat sich im Freundes- und Kollegenkreis herumgesprochen. Die ersten Fragen sind immer die gleichen: fühlt man sich unterirdisch eingeschlossen ? Kriegt man dort unter dem Meer Platzangst ? Das kann ich natürlich für jeden einzelnen nicht beantworten, es gibt ja Menschen die haben schon Angst in einer Telefonzelle, aber panische Angstanfälle habe ich von noch keinem Mitreisenden bisher erlebt, und ich habe sicherlich so um die 3000 Menschen beobachten können.

Warum 3000 ? In jedem Abteil stehen mindestens 5 Autos, 3 Abteile läuft man im Schnitt ab um sich die Füße zu vertreten oder aufs Klo zu gehen, in jedem Auto sitzen mindestens 2 Personen, macht 3000. Keine einzige Angstattacke habe ich erlebt. Meist schlafen die Mitreisenden, denn sie haben meist schon eine längere Anfahrt hinter sich oder mindestens weitere 5 Stunden Fahrt vor sich. Nur die Kindern lärmen und laufen spielend herum, zum Entsetzen der Erwachsenen, die über sehr laute Durchsagen auf alle möglichen Gefahren hingewiesen wurden... NIE ZWISCHEN DEN AUTOS LAUFEN, FENSTER AUFLASSEN ... und so weiter. Hier hat sicherlich ein Jurist die Textvorlagen geliefert, damit auch ja kein Ersatzanspruch besteht. Also lieber im Wagen sitzen bleiben.


Die Zugfahrt durch den Tunnel selbst dauert genau 35 Minuten, wie die Werbung verspricht, aber man muss schon gut 1 – 1.5 Stunden insgesamt rechen, wenn alles optimal verläuft. Denn erst muss man (a) seinen Passierschein lösen, man erhält ein großer Buchstabe den man an den Rückspiegel hängt und der einem „seinen“ Zug nennt. Dann parkt man (b) am Terminal, und wartet bis „sein“ Buchstabe zur Abfertigung aufgerufen wird. Dann fährt man (c) zur Passkontrolle beider Länder, wobei hier wahllos Autos herausgewunken werden zur (d) Durchsuchung. Die Kriterien hierfür habe ich nie verstanden, es erwischt mich aber jedes 3-4 Mal. Rasiert oder nicht spielt keine Rolle, soviel habe ich mitgekriegt. Diese Durchsuchung ist aber kein Beinbruch und sollte nicht persönlich genommen werden, denn die Beamten sind alle sehr höflich solange sie keinen Sprengstoff, Waffen oder Drogen finden. Danach folgt man (e) den Signalen hin zu seiner Wartespur, und wie die Spur besagt, wartet. Ich schätze so um die 4 Wartespuren passen in einen Zug. Dann gehen die Schranken hoch und es geht (f) ab in den Zug.

Ein Zwischenwort an alle Raucher: es gibt seit Jahren keine Beschränkungen über die Anzahl der mitgenommenen Zigaretten mehr, denn wir reisen innerhalb der EU. Alles was für den persönlichen Konsum gedacht ist, und legal ist, darf eingeführt werden, und da eine Packung Lucky Strike in Belgien 4 Euro und in England umgerechnet so 7.5 Euro kostet, deckt euch ein ! Noch was: es ist dann doch gerichtlich festgestellt worden, dass die Einfuhr von mehr als 18 Stangen NICHT für den persönlichen Konsum bestimmt sein kann. Also bitte: nicht mehr als 3600 Zigaretten pro Person mitbringen, dies sollte für den Urlaub ja wohl auch reichen.

Den meisten Kandidaten für eine Eurotunnelfahrt nehme ich eine verbleibende Restangst, indem ich ihnen den genauen Ablauf der Zugfahrt erkläre, denn der ist immer gleich. Also: der Zug ist eine Art Röhre, an einem Ende fährt man mit dem Auto rein, am anderen Ende wieder raus. Vor und in der Röhre winken einem Eurotunnelmitarbeiter – ich nenne sie mal Schaffner - ein, sehr nah sogar an den vor einem Parkenden, einfach stoppen wenn die STOP sagen oder zeigen. Dann nuscheln diese Schaffner meistens in englisch or francais : Motor aus, Handbremse anziehen, 1ster Gang oder Park einlegen. Dann schließen diese Schaffner dicke Zwischentüren, so dass aus der langen Röhre 10-12 kleinere Abteile mit je 5-6 Autos entstehen. Das war’s auch schon, die Abteile sind hell erleuchtet, und alle 3 Abteile gibt es ein Klo, was nicht sauberer oder dreckiger ist als jedes gemeine Zugklo. Jetzt heißt es warten, im eigenen Auto oder daneben, bis der Zug auf der anderen Seite des Eurotunnels angekommen ist. Dann piept es auch bald, dies ist kein Alarm, aber die Zwischentüren gehen bald auf, und wenn der Vordermann losfährt, fährt man einfach hinterher, raus aus der Röhre, auf die Autobahn nach London oder Calais.

im Teil 2: Preisvergleich und Buchung (Mar/05)