Die Vogelgrippe ist gelandet
Wie eine U-Bahn Bombe schlug die Nachricht hier ein, die Vogelgrippe ist in England angekommenGestern Abend saß ich noch vor dem Fernseher und lies mich von Claus Kleber in einem recht guten ZDF Spezial über Einzelheiten der Vogelgrippe belehren. Dramatische Szenarien wurden aufgezeichnet, um immer wieder mit dem Satz auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden: “Aber dies ist noch weit weg von uns“.

Weit weg? Seit heute morgen gibt es hier in England kein anderes Themen mehr als „Die Vogelgrippe ist angekommen“. Ein importierter Papagei war infiziert und gestorben. Eine gewisse Erleichterung konnte durchgehört werden, denn dieser bunte Papagei war nicht in eigner Kraft eingeflogen, sondern im Frachtraum eines Jumbo-Jets als fragwürdiger Importartikel. Zwar mussten alle Vögel auf der Quarantänestation gleich mit dran glauben, aber zumindest war dieser erste Vorfall unter einer gewissen Kontrolle.
Als Hundebesitzer schimpfte ich oft auf die strengen Quarantänebestimmungen in England (siehe auch meinen Beitrag “Wenn Hunde reisen”), aber hier war dann doch mal ein positiver Beitrag dieser Tierquälerei zu verbuchen. Überraschend war dann auch eine weitere Information: dies ist der erste Fall von Vogelgrippe in England seit 13 Jahren.
13 Jahre? Die Menschheit hat es also vor 13 Jahren wirklich geschafft zu überleben? Das ist dann doch eher beruhigend, denn manche Berichterstattung erinnert mich doch stark an den beklemmenden Film „12 Monkeys” mit Bruce Willis.
H5N1 oder nicht, Thema No1 wird für einige Zeit die Vogelgrippe bleiben. Sie ist beunruhigender als einige Terroristen, die die U-Bahn in die Luft jagen, wohl auch weil man ihr keine Polizei-Streitkraft entgegen setzen kann, sondern weil sie geräuschlos einfliegt und zuschlägt.
England nimmt seine Seuchen sehr Ernst, erst vor wenigen Jahren war mal wieder die Maul und Klauen Seuche ausgebrochen, und tausende Tiere mussten notgeschlachtet werden um eine unkontrollierte Ausbreitung zu vermeiden. Sogar der von mir lieb gewonnne Richmond Park war für mehrere Wochen hermetisch abgeschottet worden, in der Hoffnung die Seuche von den dortigen Hirschen und Rehen fernzuhalten. Es ist geglückt.
Ich bin sicher, wir werden noch viele bewegende Bilder zu sehen bekommne, in denen Gefieder getötet wird und wohl auch werden muss, und ich fürchte um die im ZDF Spezial gezeigten postkartengepflegten Gänse- und Hühnerfarmen in Deutschland. Schwäne in Kroatien sind infiziert, und wenn man sich die jährlichen Vogelwanderwege anschaut, überlappen diese klar mit den Ursprungsorten neuester Nachrichten: Türkei, Rumänien, Kroatien, ... et kuett.
Es wird leider noch spannend, und sollte die Vogelseuche wirklich mutieren und sich so leicht wie eine gewöhnliche Erkältung in der Bevölkerung verbreiten, also wirklich das passieren was manche befürchten, ist Al-Qaida zu dem geworden was sie ist: eine recht unbedeutende Irritation.
Abblendlicht
Die Kunst, 1,2 Million Liter Benzin am Tag straffrei zu verschüttenWir werden immer nach dem gleichen Prinzip reingelegt:
- was erregt die Gemüter?
- gibt es große Interessenvertretungen?
- ist Lebensgefahr mit im Spiel?
Wenn der gemeine Politiker Medienerwähnung braucht, setzt er schnell obige Kriterien zur Themensuche an und wird schnell fündig. Dies ist nicht überraschend, denn das Leben an sich ist zum Glück viel zu vielfältig, als dass alles reguliert werden könnte. Versuchen tun unsere Politiker es dennoch.
So hat dann eines zwielichtigen mit Wolken bedeckten Abends unser “immer noch” Verkehrminister das Thema Abblendlicht für sich entdeckt. Es erfüllt hervorragend obige Kriterien: es erregt die Gemüter, denn von „Quatsch“ bis „Sinnvoll“ kann leicht argumentiert werden, es gibt große und unterschiedliche Interessenvertretungen, Automobilclubs, Motorradclubs, Autohersteller, Glühlampenhersteller, usw. Und es hat den Hauch von Lebensgefahr, denn „jeder Verkehrstote ist ein Toter zuviel“. Schwer dagegen zu argumentieren.
Klingt alles toll, ich halte es aber für einen ausgemachten Blödsinn dies per Gesetz regulieren zu wollen. Ich glaube, Herr Stolpe brauchte dringend Presse-Erwähnung, um als Verkehrsminister im Spiel zu bleiben. Zum Glück ist damit bald Schluss, aber das Thema Abblendlicht ist weiter auf dem Tisch, wie so viele Gesetze, die auch nach dem politischen Ableben ihrer Schöpfer uns in alle Ewigkeit verfolgen. Wir sollten mal anfangen unsere Politiker danach zu bewerten, wie viel Gesetze sie abgeschafft haben, und nicht wie viele sie neu „designed“ haben.
Wieso ist vorgeschriebenes Abblendlicht Quatsch in Deutschland? Lieber Herr Stolpe, wir leben hier im Durchschnitt so auf dem 50ten Breitengrad, aber durch die skandinavischen Länder, die gerne als so musterhaftes Beispiel erwähnt werden, läuft der nördliche Polarkreis. Hier lohnt es sich oft nicht, das Licht überhaupt auszumachen, ob im Auto oder zuhause. Im Winter geht dort für mindestens einen Tag die Sonne erst gar nicht auf! Was soll dieser falsche Vergleich? Dies ist ein geographisches Nord/Süd Problem, kein Ost/West, manche Politiker scheinen diese Himmelsrichtungen leider nicht mehr zu verstehen.
Am meisten hat mich in dieser Diskussion aber unser Herr Tretin enttäuscht. Hat er etwa schon vor dem Ende aufgegeben? Er hätte sich hier doch noch einmal richtig aufbaeumen können und mal was Sinnvolles zu sagen: Licht kostet Energie. Ob im Auto oder zuhause, Licht verzehrt Energie. Und im Auto kann dies bis zu 0.5 Liter auf 100 km ausmachen. Ich halte diese Zahl für sehr hoch, aber nur 0.1 Liter ist bei dieser Massenzwangsverordnung eine katastrophale Energieverschwendung, die viele andere kleinen Schritte zunichte macht.
In Deutschland gibt es so um die 45 Millionen Autos, und wenn ich mal unterstelle, dass jeder ca. 10.000 km im Jahr fährt, ergibt dies eine gesamte Fahrleistung von 450 Milliarden km im Jahr.
Setzte ich hier die 0.1 Liter Mehrverbrauch an, wird Deutschland dank Herrn Stolpe 450 Millionen Liter Benzin verbrauchen, einfach so, um hell heller zu machen. Das sind zwar nur 10 Liter pro Fahrzeug, aber die Masse macht es. Noch mal zum mitschreiben: 450 Millionen Liter Benzin im Jahr, 1.2 Millionen Liter jeden Tag, für nichts !!! Wenn dies kein Umweltskandal ist.
Ich höre sie! Aber es rettet Leben! Tut es meiner Meinung nach nicht, denn mehr Motorradfahrer werden sterben, weil sie nun nicht mehr exklusiv mit Licht fahren und somit nicht mehr besonders auffallen. Sehen sie es mal so: wieso verordnet Stolpe nicht, dass wir all mit blinkendem Blaulicht herumfahren und bleiben dennoch bei rot stehen, dann fallen wir alle sehr sehr sehr sehr sehr gut auf, und es könnte weniger Unfälle geben. Toll, nur dass wir nun den Rettungswagen rammen, den wir nicht mehr frühzeitig erkennen.
Lieber Leser auf deutschen Strassen: bitte lasst das Abblendlicht aus wenn die Sonne scheint, es freut sich der Motorradfahrer und unsere Umwelt. Lasst euch diesen Quatsch nicht gefallen. Denn sonst wir euch bald auch die Autofarbe vorgeschrieben, so ein knalliges reflektierendes Orange, denn es rettet ja viele Leben.